Weiße Schwalben sah ich fliegen.
Schwalben schnee- und silberweiß.
Sah sie sich im Winde wiegen,
In dem Winde hell und heiß

Bunte Häher sah ich hüpfen.
Papagei und Kolibri
Durch die Wunderbäume schlüpfen
In dem Wald der Tusferi.

Große Raben sah ich flattern.
Dohlen schwarz und dunkelgrau
Nah am Grunde über Nattern
Im verzauberten Gehau.

Schwalben seh ich wieder fliegen.
Schnee- und silberweiße Schar.
Wie sie sich im Winde wiegen
In dem Winde kalt und klar!

Text: Stefan George (1930)

Dies Gedicht habe ich als Lied kennengelernt, bevor ich als Gedicht Georges kennenlernte, natürlich in Kleinschreibung.

mit der Melodie von Helmut König (instrumental, leicht verziert )

gesungen von Yannick Wahl

1. Sur le pont d’Avignon, On y danse, on y danse,

Sur le pont d’Avignon On y danse tous en rond.

Les beaux messieurs font comme ça

Et puis encore comme ça.

Sur le pont d’Avignon,On y danse, on y danse,

Sur le pont d’AvignonOn y danse tous en rond.

2. Sur le pont d’Avignon, On y danse, on y danse,

Sur le pont d’Avignon On y danse tous en rond.

Les belles dames font comme ça Et puis encore comme ça.

Sur le pont d’Avignon, On y danse, on y danse,

Sur le pont d’AvignonOn y danse tous en rond.

3. Les officiers font comme ça …4. Les bébés font comme ça …5. Les bons amis font comme ça …

6. Les musiciens font comme ça …

7. Et les abbés font comme ça …8. Et les gamins font comme ça …9. Les laveuses font comme ça 

Trois jeunes tambours

Trois jeunes tambours s’en revenaient de guerre (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan.
S’en revenaient de guerre !

Le plus jeune a – dans sa bouche une rose (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan.
Dans sa bouche une rose !

La fille du roi était à sa fenêtre (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Etait à sa fenêtre !

Joli tambour, donnez-moi votre rose (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Donnez-moi votre rose !

Fille du roi, donnez-moi votre cœur (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Donnez-moi votre coeur !

Joli tambour, demandez à mon père (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Demandez à mon père !

Sire le roi, donnez-moi votre fille (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Donnez-moi votre fille !

Joli tambour, tu n’es pas assez riche (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Tu n’es pas assez riche !

J’ai trois vaisseaux dessus la mer jolie (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Dessus la mer jolie !

L’un chargé d’or, l’autre de pierreries (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
L’autre de pierreries !

Et le troisième pour promener ma mie (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Pour promener ma mie !

Joli tambour, dis-moi quel est ton père (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Dis-moi quel est ton père !

Sire le roi, c’est le roi d’Angleterre (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
C’est le roi d’Angleterre !

Et ma mère est la reine de Hongrie (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
La reine de Hongrie !

Joli tambour, tu auras donc ma fille (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Tu auras donc ma fille !

Sire le roi, je vous en remercie (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Je vous en remercie !

Dans mon pays y en a de plus jolies (bis)
Et ri et ran, ran pa ta plan
Y en a de plus jolies !

Au Clair De La Lune

Au clair de la lune, mon ami Pierrot
Prête-moi ta plume: Pour écrire un mot
Ma chandelle est morte, Je n’ai plus de feu
Ouvre-moi ta porte, Pour l’amour de dieu

Au clair de la lune, Pierrot répondit
Je n’ai pas de plume, je suis dans mon lit
Va chez la voisine, je crois qu’elle y est
Car dans sa cuisine, on bat le briquet

Au claire de la lune, l’aimable Lubin
Frappe chez la brune, elle répond soudain
Qui frappe de la sorte? Il dit à son tour
Ouvrez votre porte, pour le dieu d’amour

Au clair de la lune, on n’y voit qu’un peu

On chercha la plume, on chercha le feu
En cherchant de la sorte, je n’sais c’qu’on trouva
Mais je sais que la porte, sur eux se ferma

La Cigale et la Fourmi

Jean de La Fontaine

La Cigale, ayant chanté
Tout l’été,
Se trouva fort dépourvue
Quand la bise fut venue :
Pas un seul petit morceau
De mouche ou de vermisseau.


Elle alla crier famine
Chez la Fourmi sa voisine,
La priant de lui prêter
Quelque grain pour subsister
Jusqu’à la saison nouvelle.
« Je vous paierai, lui dit-elle,
Avant l’Oût, foi d’animal,
Intérêt et principal.  »


La Fourmi n’est pas prêteuse :
C’est là son moindre défaut.
Que faisiez-vous au temps chaud ?
Dit-elle à cette emprunteuse.
– Nuit et jour à tout venant
Je chantais, ne vous déplaise.
– Vous chantiez ? j’en suis fort aise.
Eh bien! dansez maintenant.

Jean de La Fontaine

Sprache
Die Sonne spricht zu uns mit Licht,
mit Duft und Farbe spricht die Blume,
mit Wolken, Schnee und Regen spricht
die Luft. Es lebt im Heiligtume
der Welt ein unstillbarer Drang,
der Dinge Stummheit zu durchbrechen,
in Wort, Gebärde, Farbe, Klang
des Seins Geheimnis auszusprechen.
Hier strömt der Künste lichter Quell,
es ringt nach Wort, nach Offenbarung,
nach Geist die Welt und kündet hell
aus Menschenlippen ewige Erfahrung.
Nach Sprache sehnt sich alles Leben,
in Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton
beschwört sich unser dumpfes Streben
und baut des Sinnes immer höhern Thron.

In einer Blume Rot und Blau,
in eines Dichters Worte wendet
nach innen sich der Schöpfung Bau,
der stets beginnt und niemals endet.
Und wo sich Wort und Ton gesellt,
wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,
wird jedes Mal der Sinn der Welt,
des ganzen Daseins neu gestaltet,
und jedes Lied und jedes Buch
und jedes Bild ist ein Enthüllen,
ein neuer, tausendster Versuch,
des Lebens Einheit zu erfüllen.

In diese Einheit einzugehn
lockt euch die Dichtung, die Musik,
der Schöpfung Vielfalt zu verstehn
genügt ein einziger Spiegelblick.
Was uns Verworrenes begegnet,
wird klar und einfach im Gedicht:
Die Blume lacht, die Wolke regnet,
die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

Hermann Hesse

„wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,
wird jedes Mal der Sinn der Welt,
des ganzen Daseins neu gestaltet,“

Ein hohes Bild vom Dichter. Liegt der Sinn menschlichen Lebens in der Sprache oder in Vita activa im Sinne Hannah Arendts?

Lass mich das Pochen deines Herzens spüren,

Dass ich nicht höre, wie das meine schlägt.

Tu vor mir auf all die geheimen Türen,

Da sich ein Riegel vor die meinen legt.

Ich kann es, Liebster, nicht im Wort bekennen,

Und meine Tränen bleiben ungeweint,

Die Macht, die uns von Anbeginn vereint,

Wird uns am letzten aller Tage trennen.

All meinen Schmerz ertränke ich in Küssen.

All mein Geheimnis trag ich wie ein Kind.

Ich bin ein Blatt, zu früh vom Baum gerissen.

Ob alle Liebenden so einsam sind?

Lass mich das Pochen deines Herzens spüren,

Dass ich nicht höre, wie das meine schlägt.

Tu vor mir auf all die geheimen Türen,

Da sich ein Riegel vor die meinen legt.

Ich kann es, Liebster, nicht im Wort bekennen,

Und meine Tränen bleiben ungeweint,

Die Macht, die uns von Anbeginn vereint,

Wird uns am letzten aller Tage trennen.

All meinen Schmerz ertränke ich in Küssen.

All mein Geheimnis trag ich wie ein Kind.

Ich bin ein Blatt, zu früh vom Baum gerissen.

Ob alle Liebenden so einsam sind?

Statt meiner Begründung füge ich ein zweites Video hinzu:

Mascha Kaléko (Wikipedia)

Ich kann kein Blühen mehr sehn,

Es ist so leicht und so gründlich

Und dauert mindestens stündlich

Als Traum und Auferstehn.


Nimm fort die Amarylle, 

du siehst ja: gründlich: – sie setzt 

ganz rot, ganz tief, ganz Fülle 

ihr Eins und Allerletzt.

Was wäre noch Stunde dauernd

in meinem zerstörten Sinn,

es bricht sich alles schauend

in Augenblicken hin.

(Gottfried Benn)

Benn hat vor dem seraphischen Ton gewarnt. Er dachte an Rilke, an Werfel. Wenn ich an die Warnung denke, denke ich an Benn-GedichteEs gibt so nüchterne und so viele, die im Ton des Sehers gesprochen sind. Mir fällt zu diesem immer wieder „Nimm die Forsythien tief in dich hinein“ ein mit dem Anklang an Stefan George. Und wie viele Blumennamen findet man in Benns Gedichten. Immer wieder braucht er Blumen, um zu evozieren, was ohne die Blumen nicht entstünde. Das beginnt schon – in anderer Weise – mit „Kleine Aster“. Ohne Blumen könnte er so oft nicht zeigen, was er zeigen will.

Wo aber Gefahr ist, wächst

Das Rettende auch.

Dieser Satz Hölderlins gehört zu seinen meist zitierten. Von den jungen Männern, die im Ersten Weltkrieg nach dem Verlust der Marneschlacht am Beginn der ersten Flandernschlacht gegen die französischen Stellungen vorgingen, mögen manche die Zeile gekannt haben. Vor allem aber diente ihr Einsatz der Schaffung des Mythos von Langemarck durch die deutsche Heeresleitung mit dem Bericht vom 11. November 1914, „der von fast allen deutschen Zeitungen auf der ersten Seite abgedruckt wurde“.(Wikipedia) Und dem anderen Mythos davon, dass die deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg zuviel Hölderlin gelesen hätten. Doch jetzt der Satz in seinem Kontext:

Patmos (Erste Fassung 1803)

Nah ist

Und schwer zu fassen der Gott.

Wo aber Gefahr ist, wächst

Das Rettende auch.

Im Finstern wohnen

Die Adler und furchtlos gehn

Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg

Auf leichtgebaueten Brücken.

Drum, da gehäuft sind rings

Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten

Nah wohnen, ermattend auf

Getrenntesten Bergen,

So gib unschuldig Wasser,

O Fittige gib uns, treuesten Sinns

Hinüberzugehn und wiederzukehren.

So sprach ich, da entführte

Mich schneller, denn ich vermutet,

Und weit, wohin ich nimmer

Zu kommen gedacht, ein Genius mich

Vom eigenen Haus. Es dämmerten

Im Zwielicht, da ich ging,

Der schattige Wald

Und die sehnsüchtigen Bäche

Der Heimat; nimmer kannt ich die Länder;

Doch bald, in frischem Glanze,

Geheimnisvoll

Im goldenen Rauche, blühte

Schnellaufgewachsen,

Mit Schritten der Sonne,

Mit tausend Gipfeln duftend,

Mir Asia auf, und geblendet sucht

Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt

War ich der breiten Gassen, wo herab

Vom Tmolus fährt

Der goldgeschmückte Paktol

Und Taurus stehet und Messogis,

Und voll von Blumen der Garten,

Ein stilles Feuer, aber im Lichte

Blüht hoch der silberne Schnee,

Und Zeug unsterblichen Lebens

An unzugangbaren Wänden

Uralt der Efeu wächst und getragen sind

Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern,

Die feierlichen,

Die göttlichgebauten Paläste.

Es rauschen aber um Asias Tore

Hinziehend da und dort

In ungewisser Meeresebene

Der schattenlosen Straßen genug,

Doch kennt die Inseln der Schiffer.

Und da ich hörte,

Der nahegelegenen eine

Sei Patmos,

Verlangte mich sehr,

Dort einzukehren und dort

Der dunkeln Grotte zu nahn.

Denn nicht, wie Cypros,

Die quellenreiche, oder

Der anderen eine

Wohnt herrlich Patmos,

Gastfreundlich aber ist

Im ärmeren Hause

Sie dennoch

Und wenn vom Schiffbruch oder klagend

Um die Heimat oder

Den abgeschiedenen Freund

Ihr nahet einer

Der Fremden, hört sie es gern, und ihre Kinder,

Die Stimmen des heißen Hains,

Und wo der Sand fällt, und sich spaltet

Des Feldes Fläche, die Laute,

Sie hören ihn und liebend tönt

Es wider von den Klagen des Manns. So pflegte

Sie einst des gottgeliebten,

Des Sehers, der in seliger Jugend war

Gegangen mit

Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn

Es liebte der Gewittertragende die Einfalt

Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann

Das Angesicht des Gottes genau,

Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie

Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls,

Und in der großen Seele, ruhigahnend, den Tod

Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug

Hatt er von Güte zu sagen

Der Worte, damals, und zu erheitern, da

Ers sahe, das Zürnen der Welt.

Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre

Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte,

Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt,

Doch trauerten sie, da nun

Es Abend worden, erstaunt,

Denn Großentschiedenes hatten in der Seele

Die Männer, aber sie liebten unter der Sonne

Das Leben und lassen wollten sie nicht

Vom Angesichte des Herrn

Und der Heimat. Eingetrieben war,

Wie Feuer im Eisen, das, und ihnen ging

Zur Seite der Schatte des Lieben.

Drum sandt er ihnen

Den Geist, und freilich bebte

Das Haus und die Wetter Gottes rollten

Ferndonnernd über

Die ahnenden Häupter, da, schwersinnend,

Versammelt waren die Todeshelden,

Itzt, da er scheidend

Noch einmal ihnen erschien.

Denn itzt erlosch der Sonne Tag,

Der Königliche, und zerbrach

Den geradestrahlenden,

Den Zepter, göttlichleidend, von selbst,

Denn wiederkommen sollt es,

Zu rechter Zeit. Nicht wär es gut

Gewesen, später, und schroffabbrechend, untreu,

Der Menschen Werk, und Freude war es

Von nun an,

Zu wohnen in liebender Nacht, und bewahren

In einfältigen Augen, unverwandt

Abgründe der Weisheit. Und es grünen

Tief an den Bergen auch lebendige Bilder,

Doch furchtbar ist, wie da und dort

Unendlich hin zerstreut das Lebende Gott.

Denn schon das Angesicht

Der teuern Freunde zu lassen

Und fernhin über die Berge zu gehn

Allein, wo zweifach

Erkannt, einstimmig

War himmlischer Geist; und nicht geweissagt war es, sondern

Die Locken ergriff es, gegenwärtig,

Wenn ihnen plötzlich

Ferneilend zurück blickte

Der Gott und schwörend,

Damit er halte, wie an Seilen golden

Gebunden hinfort

Das Böse nennend, sie die Hände sich reichten –

Wenn aber stirbt alsdenn,

An dem am meisten

Die Schönheit hing, daß an der Gestalt

Ein Wunder war und die Himmlischen gedeutet

Auf ihn, und wenn, ein Rätsel ewig füreinander,

Sie sich nicht fassen können

Einander, die zusammenlebten

Im Gedächtnis, und nicht den Sand nur oder

Die Weiden es hinwegnimmt und die Tempel

Ergreift, wenn die Ehre

Des Halbgotts und der Seinen

Verweht und selber sein Angesicht

Der Höchste wendet

Darob, daß nirgend ein

Unsterbliches mehr am Himmel zu sehn ist oder

Auf grüner Erde, was ist dies?

Es ist der Wurf des Säemanns, wenn er faßt

Mit der Schaufel den Weizen,

Und wirft, dem Klaren zu, ihn schwingend über die Tenne.

Ihm fällt die Schale vor den Füßen, aber

Ans Ende kommet das Korn,

Und nicht ein Übel ists, wenn einiges

Verloren gehet und von der Rede

Verhallet der lebendige Laut,

Denn göttliches Werk auch gleichet dem unsern,

Nicht alles will der Höchste zumal.

Zwar Eisen träget der Schacht,

Und glühende Harze der Aetna,

So hätt ich Reichtum,

Ein Bild zu bilden, und ähnlich

Zu schaun, wie er gewesen, den Christ,

Wenn aber einer spornte sich selbst,

Und traurig redend, unterweges, da ich wehrlos wäre,

Mich überfiele, daß ich staunt und von dem Gotte

Das Bild nachahmen möcht ein Knecht –

Im Zorne sichtbar sah ich einmal

Des Himmels Herrn, nicht, daß ich sein sollt etwas, sondern

Zu lernen. Gütig sind sie, ihr Verhaßtestes aber ist,

Solange sie herrschen, das Falsche, und es gilt

Dann Menschliches unter Menschen nicht mehr.

Denn sie nicht walten, es waltet aber

Unsterblicher Schicksal und es wandelt ihr Werk

Von selbst, und eilend geht es zu Ende.

Wenn nämlich höher gehet himmlischer

Triumphgang, wird genennet, der Sonne gleich,

Von Starken der frohlockende Sohn des Höchsten,

Ein Losungszeichen, und hier ist der Stab

Des Gesanges, niederwinkend,

Denn nichts ist gemein. Die Toten wecket

Er auf, die noch gefangen nicht

Vom Rohen sind. Es warten aber

Der scheuen Augen viele,

Zu schauen das Licht. Nicht wollen

Am scharfen Strahle sie blühn,

Wiewohl den Mut der goldene Zaum hält.

Wenn aber, als

Von schwellenden Augenbraunen,

Der Welt vergessen

Stilleuchtende Kraft aus heiliger Schrift fällt, mögen,

Der Gnade sich freuend, sie

Am stillen Blicke sich üben.

Und wenn die Himmlischen jetzt

So, wie ich glaube, mich lieben,

Wie viel mehr Dich,

Denn Eines weiß ich,

Daß nämlich der Wille

Des ewigen Vaters viel

Dir gilt. Still ist sein Zeichen

Am donnernden Himmel. Und Einer stehet darunter

Sein Leben lang. Denn noch lebt Christus.

Es sind aber die Helden, seine Söhne,

Gekommen all und heilige Schriften

Von ihm und den Blitz erklären

Die Taten der Erde bis itzt,

Ein Wettlauf unaufhaltsam. Er ist aber dabei. Denn seine Werke sind

Ihm alle bewußt von jeher.

Zu lang, zu lang schon ist

Die Ehre der Himmlischen unsichtbar.

Denn fast die Finger müssen sie

Uns führen und schmählich

Entreißt das Herz uns eine Gewalt.

Denn Opfer will der Himmlischen jedes,

Wenn aber eines versäumt ward,

Nie hat es Gutes gebracht.

Wir haben gedienet der Mutter Erd

Und haben jüngst dem Sonnenlichte gedient,

Unwissend, der Vater aber liebt,

Der über allen waltet,

Am meisten, daß gepfleget werde

Der feste Buchstab, und Bestehendes gut

Gedeutet. Dem folgt deutscher Gesang.

(Friedrich Hölderlin)

zur Interpretation (Wikipedia)

Frieden

Das blaue Meer verliebt sich in das Leben,

Und tausend Augen sind uns wohlgesinnt:

Ja, schon beginnt der Hauche Tausch, der Kräuselwind!

Und lauter Herzen fangen an zu beben.

 

Bald wird das Meer sich wohl zum Ufer heben.

Die kleinste Welle, die als Schaum zerrinnt,

Die Spitzenschleier um die Erde spinnt,

Mag sich dann irgendwo und ganz ergeben.

 

Ein blauer Schmetterling hat sich verloren.

Im Blauen draußen find ich ihn nicht mehr:

Hat ihn der Strand als sein Geschenk erkoren?

 

Mein Herz, Dir werde nicht auf einmal schwer!

Bestimmt hast Du bereits ein Lied geboren,

Nun sing Dich aus, am traumhaft blauen Meer.

(Theodor Däubler)

Ein Gedicht von expressionistischer Farbigkeit. Viel Blau, aber alles nur sichtbar durch den Spitzenschleier das Schaums, was alles auflöst in kleine Farbflecken. Ganz Oberfläche und dadurch nicht bedrohlich, sondern friedlich

Werke

Zur Interpretation

Friedrich Schiller: „Die Pest. Eine Fantasie“

Gräßlich preisen Gottes Kraft
Pestilenzen würgende Seuchen,
Die mit der grausen Brüderschaft
Durchs öde Tal der Grabnacht schleichen.

Bang ergreifts das klopfende Herz,
Gichtrisch zuckt die starre Sehne,
Gräßlich lacht der Wahnsinn in das Angstgestöhne,
In heulende Triller ergeußt sich der Schmerz.

Raserei wälzt tobend sich im Bette –
Gift’ger Nebel wallt um ausgestorbne Städte
Menschen – hager – hohl und bleich –
Wimmeln in das finstre Reich.
Brütend liegt der Tod auf dumpfen Lüften,
Häuft sich Schätze in gestopften Grüften
Pestilenz sein Jubelfest.
Leichenschweigen – Kirchhofstille
Wechseln mit dem Lustgebrülle,
Schröcklich preiset Gott die Pest.

Aktuell wirkt in Zeiten der Corona-Epidemie das Bedrohungsgefühl. Die Sprache wirkt altertümlich. Ein großer Abstand zeigt sich in der Sichtbarkeit der Krankheit in der Öffentlichkeit im Vergleich zur Quarantäne aller, die unter deutlichem Krankheitsverdacht stehen. Der heutige verwaltungsmäßige Umgang in der Krankheitsabwehr sticht ab von der hoch emotionalen Beschreibung der Krankheitsfolgen.  Und doch die Ähnlichkeit bei den „ausgestorbnen Städten“. 

Bertolt Brecht: „empfehlung eines langen, weiten rocks.“

und wähl den bäuerlichen weiten rock
bei dem ich listig auf die länge dränge:
ihn aufzuheben in der ganzen länge
an schenkeln hoch und hintern, gibt den schock.
und wenn du hockst auf unserer ottomane
laß ihn verrutschen, daß in seinem schatten

durch den tabakrauch wichtiger debatten
dein fleisch mich an die gute nacht gemahne.

doch sind es nicht nur niedere gelüste
die mich nach solchem rocke schreien lassen:
du gehst drin schön, wie einst durch kolchis gassen
medea, als den korb sie meerwärts trug. –
doch wenn ich keine andern gründe wüßte:
wähl solchen rock! die niedern sind genug.

Hinweise zur Interpretation:

R. Singer FAZ 12.12.19

Traumbesitz

„Fremdling, unter diesem Schutte
Wölbt sich eine weite Halle,
Blüht des Inka goldner Garten,
Prangt der Sessel meines Ahns!

Alles Laub und alle Früchte
Und die Vögel auf den Ästen
Und die Fischlein in den Teichen
Sind vom allerfeinsten Gold.“

– „Knabe du bist zart und dürftig,
Deine greisen Eltern darben
Warum gräbst du nicht die nahen
Schätze, die dein Erbe sind?“

„Solches, Fremdling, wäre sündlich!
Nein, ich lasse mir genügen
An dem kleinen Weizenfelde,
Das mir oben übrigblieb.

Im Geheimen meines Herzens
Mit den Augen meines Geistes
Schwelg ich in den lichten Wundern
In dem unermessnen Hort:

O des Glanzes! O der Fülle!
Siehst du dort die Büschel Maises
Mit den schön geformten Kolben?
Siehst du dort den goldnen Thron?“

!935 wurde die vorletzte Strophe dieses Gedichtes von zwei befreundeten Nenntanten meines ältesten Bruders Helmut als Motto des Fotoalbums gewählt, das dann Bilder vom Krankenhaus vier Tage nach der Geburt bis zum 11.8.1937 enthielt. Von Naumburg und Schulpforte.

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