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Fusce, pharetra,

sive per Syrtes iter aestuosas,
sive facturus per inhospitalem
Caucasum vel quae loca fabulosus

lambit Hydaspes.

Namque me silva lupus in Sabina,
dum meam canto Lalagen et ultra
terminum curis vagor expeditis,

fugit inermem,

quale portentum neque militaris
Daunias latis alit aesculetis,
nec Iubae tellus generat, leonum

arida nutrix

Pone me pigris ubi nulla campis
arbor aestiva recreatur aura,
quod latus mundi nebulae malusque

Jupiter urget;

pone sub curru nimium propinqui
solis, in terra domibus negata:
Dulce ridentem Lalagen amabo,

dulce loquentem.

Klassisches Versmaß habe ich nie im griechischen Original genießen können. Bei Horaz hatte ich am Klang mancher Verse meine Freude. Den Inhalt habe ich, bei der ersten Übersetzung noch parat gehabt, danach war er beim Rezitieren der Verse nur noch halb präsent.
Umso mehr Spaß hatte ich an Morgensterns Travestien, die bei aller Profanisierung so manches von der Haltung des Sprechers bewahrten.

Wer ein braver, ehrlicher Gottesmensch ist,
braucht nicht Degenstöcke, noch Ochsenziemer,
noch amerikanische Schlagringwaffen,

noch auch Revolver, –

ob er die unwirtliche Hasenheide
oder den Tiergarten des Nachts durchwandert
oder nach dem Norden Berlins geht, wo die

Panke sich schlängelt.

Stiefle ich im Grunewald jüngst nach Schildhorn,
pfeife lustig «Anne-Marie, erhör mich!»,
als ein Hirsch zwölf Schritte vor mir sich regt und –

fort wie der Satan!

’s war ein Kapitalkerl, ein Achtzehnender,
wie so groß ich keinen zuvor gesehen!
Keine Waffe hatt ich –  und doch! er forcht sich! –:

fort wie der Satan!

Laß am Nordpol mich zu den Robben gehen
und im ewigen Eise den Eisbären treffen –
Glaubst du, daß mir einer ein Leides täte?

Ebensowenig!

Wär ich in der Wüste, im Löwenviertel
Afrikas, ich würde mich doch nicht fürchten!
Pfeifen würd ich «Anne-Marie, erhör mich»,

pfeifen, ja pfeifen.

Viele Drachen stehen in dem Winde,
Tanzend in der weiten Lüfte Reich.
Kinder stehn im Feld in dünnen Kleidern,
Sommersprossig und mit Stirnen bleich.

In dem Meer der goldnen Stoppeln segeln
Kleine Schiffe, weiß und leicht erbaut;
Und in Träumen seiner leichten Weite
Sinkt der Himmel wolkenüberblaut.

Weit gerückt in unbewegter Ruhe
Steht der Wald wie eine rote Stadt.
Und des Herbstes goldne Flaggen hängen
Von den höchsten Türmen schwer und matt.

Georg Heym
Wegen der Jahreszeit und weil die Rilkegedichte ja doch jeder kennt, ziehe ich dies Heym-Gedicht vor, bevor ich zu den fremdsprachigen komme. Natürlich prunkt es mit Farben und erinnert mich wie andere farbbetonte Herbstgedichte daran, dass ein Klassenkamerad in einem Aufsatz über den Herbst diesen „des Winters Hofnarren“ nannte, was ich mir immer mit dem farbigen Narrenkostüm erklärte.
Es ist auch viel Leichtigkeit im Gedicht. Doch das „mit Stirnen bleich“ bringt schon früh die Mattigkeit mit sich, mit der die letzte Zeile schließt. Ich assoziiere damit das Traklsche „dünn und zag“ aus „In den Nachmittag geflüstert“, ein Gedicht, das ja auch „Farben träumt“ und gleichzeitig auf Sterben hindeutet.
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