Komm, Liebchen, komm! Umwinde mir die Mütze!
Aus deiner Land nur ist der Tulbend schön.
Hat Abbas doch, auf Irans höchstem Sitze,
Sein Haupt nicht zierlicher umwinden sehn!

Ein Tulbend war das Band, das Alexandern
In Schleifen schön vom Haupte fiel,
Und allen Folgeherrschern, jenen Andern,
Als Königszierde wohlgefiel.

Ein Tulbend ist’s, der unsern Kaiser schmücket;
Sie nennen’s Krone. Name geht wohl hin!
Juwel und Perle! Sei das Aug‘ entzücket!
Der schönste Schmuck ist stets der Musselin.

Und diesen hier, ganz rein und silberstreifig,
Umwinde, Liebchen, um die Stirn umher.
Was ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig!
Du schaust mich an, ich bin so groß als er.

Am dollsten sind die Zeilen Ein Tulbend ist’s, der unsern Kaiser schmücket; / Sie nennen’s Krone. Name geht wohl hin! Selten ist so offenkundig Falsches so lässig gerechtfertigt worden. Auffallend souverän!
Aber natürlich haben auch die Zeilen Was ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig! / Du schaust mich an, ich bin so groß als er. es in sich, auch wenn sie andere Hyperbeln des Geliebtenlobes – etwa in Shakespeares Sonetten – nicht ganz erreichen.
Nun, die Verse sind von Goethe, Teil seiner Alterslyrik aus dem „West-östlichen Divan“. Er kannte seinen Wert, er liebte und fühlte sich geliebt. Da war es leicht, lockeres Selbstbewusstsein zu demonstrieren. In Marienbad war es dann anders.

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