Laß sie Dreadnoughts bauen und aber Dreadnoughts
und vom Luftschiffkreuzer das Heil erwarten!
Unerträglich würden auf Erden sonst die
Tage des Glückes.

Alles lebt in dulci jubilo, nirgends
haust die Pest, der Hunger, die Not, die Sorge.
Singend gehn die Völker zu Bett, und singend
gehn sie zum Frühstück.

Müssen Patrioten da nicht zu Werken
kriegerische Gewalt zusammentreten
und dem kannibalischen Wohl der Völker
Schropfköpfe setzen?

Laß sie Dreadnoughts bauen und aber Dreadnoughts
und vom Luftschiffkreuzer das Heil erwarten!
Unerträglich würden auf Erden sonst die
Tage des Glückes.

Gert Fröbe hat für seine Rezitation dieses Gedichts von Christian Morgenstern eine noch weiter modernisierte Fassung geschrieben: „Laß sie Bomber bauen und Überbomber …“
Heute könnte das Gedicht – auf Libyen bezogen – beginnen: „Lass Raketen sie bauen, Marschflugkörper und Drohnen …“, auf Fukushima bezogen „Lass Kernkraftwerke sie bauen und schnelle Brüter …“
Mehr zur Interpretation dieses Gedichtes liefert die aktuelle Tagespresse.
So aktuell kann ein von Morgenstern in die Neuzeit eingeführter Horaz sein. (vgl. auch: Integer vitae)

Ist es nicht überflüssig zu sagen, dass schon Morgenstern durchaus nicht glaubte, dass seine folgenden Zeilen Realität beschrieben:

nirgends
haust die Pest, der Hunger, die Not, die Sorge.
Singend gehn die Völker zu Bett, und singend
gehn sie zum Frühstück.

(nachkorrigiert nach einer Ausgabe von 1911, Piper Verlag, 3. vermehrte Auflage)

Gert Fröbe als Morgensterns Hausschnecke im Gespräch mit sich selbst

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