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Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonn‘, o du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darein ich schwebe,
O du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab!
Du bist die Ruh‘, du bist der Frieden,
Du bist der Himmel, mir beschieden.
Daß du mich liebst, macht mich mir werth,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst mich liebend über mich,
Mein guter Geist, mein bess’res Ich!

(Friedrich Rückert: Liebesfrühling, 2 III)

„Dass du mich liebst, macht mich mir wert“. Zweierlei steckt darin: Zum einen die allgemeine Aussage, dass Menschen von Beziehungen leben, dass nicht Erfolge und Leistungen, sondern gelungene oder misslungene Beziehungen (und der Versuch, sie gerade zu rücken oder auf Dauer zu bewahren) am Schluss des Lebens die entscheidende Rolle spielen. Zum anderen: „Dass du mich liebst.“ Die entscheidende Beziehung, die dem Leben Sinn gibt.

Schließlich spricht mich an den Versen an, dass Rückert, der große Formkünstler, hier so ganz Seele ist.

Und natürlich auch die Vertonung durch Schumann.

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