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LEBEN, LIEBE, TOD

Wenn das Leben ein Dschungel wär,
müsste meiner verschwenderisch grün sein,
voller Orchideen, mit Schmetterlingen,
bunten Kolibris, kreischenden Affen.
Aber ihren Platz hätten auch Panther,
züngelnde Schlangen und Skorpione.

Wenn die Liebe ein Gewässer wär,
wünsch ich mir meines kristallklar und rein,
quellkühl erfrischend, libellenumschwärmt,
tiefgründig, voller wimmelndem Leben,
aber manchmal auch nur träge fließend,
sich letztlich verströmend im großen Meer.

Wenn der Tod eine Mauer wär,
sollte meine nicht bedrohlich schroff sein,
sondern geheimnisvoll, grün überwuchert,
mit angelehnter Tür, wartend auf mich,
denn „wer stirbt, geht nach Hause“, sagt Gandhi,
„welch tröstlicher Gedanke!“ Auch für mich?

(Brigitte Jährling)

Reimlos und klar gegliedert, erschreckend und besänftigend, befremdend und überzeugend.
Will ich ein Skorpion? Die Affen kreischend, die Schlangen ständig züngelnd?
Erlebe ich Wasser als kristallklar und rein, das voll von wimmelndem Leben ist?
„Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!“
Der Tod eine Mauer mit angelehnter Tür „wartend auf mich“?

Und doch: Leben und Liebe nur still und kristallklar?
Der Tod unerreichbar, nur für die anderen, nie für mich?
Ist er nicht als Geheimnis, als ungelöstes Rätsel, dessen Lösung wir einst erfahren werden, das, was wir brauchen? Nicht ein präzises Datum, mal unendlich weit weg, mal bedrohlich nah. In angsterfüllendem Wechsel, nie als Einladung, aus der Stunde zu schöpfen, was das Leben bereit hält?

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