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Der Sommer hält den Atem an
bunte Tage rinnen durch das Netz der Zeit
ein Vogellaut noch dann und wann
bald duften Rosen nach Vergänglichkeit

Eine Weile noch flanieren
Sommer und Herbst Hand in Hand
summen ein Duett
bis im Pendelschlag schwingender Tage
ihre Melodie verweht

Ein Blatt goldbehaucht
löst sich in der Stille
kreiselt müde bevor es taumelnd
in den Schoß der Erde fällt
finale Töne im sterbenden Hain

Hinter der Hecke lauert der Winter
und durch das Geäst äugt der Mond
die Sichel fein geschliffen
nimm in den Arm deine Geige
und seufze dem Herbst ein Lied

Hab Geduld oh Herz sechs Monde noch
dann läuten Osterglocken den Frühling ein

Renate Heidler
(aus: „Wortgeflüster – Poesie mit allen Sinnen)

Mit diesem zeitgenössischen Gedicht wurde ich anlässlich einer Vorstellung von Herbstgedichten bekanntgemacht.

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So singet laut den Pillalu
Zu mancher Träne Sorg’ und Noth:
Och orro orro ollalu,
O weh des Herren Kind ist tod!

Zu Morgen, als es tagen wollt’,
Die Eule kam vorbei geschwingt,
Rohrdommel Abends tönt im Rohr.
Ihr nun die Totensänge singt:
Och orro orro ollalu.

Und sterben du? warum, warum
Verlassen deiner Eltern Lieb’?
Verwandten Stammes weiten Kreis?
Den Schrei des Volkes hörst du nicht:
Och orro orro ollalu.

Und scheiden soll die Mutter, wie,
Von ihrem Liebchen schön und süß?
Warst du nicht ihres Herzens Herz,
Der Puls der ihm das Leben gab?
Och orro orro ollalu.

Den Knaben läßt sie weg von sich,
Der bleibt und wes’t für sich allein,
Das Frohgesicht, sie sieht’s nicht mehr,
Sie saugt nicht mehr den Jugendhauch.
Och orro orro ollalu.

Da sehet hin an Berg und Steg,
Den Uferkreis am reinen See,
Von Waldesecke, Saatenland,
Bis nah heran zu Schloß und Wall.
Och orro orro ollalu.

Die Jammer-Nachbarn dringen her
Mit hohlem Blick und Atem schwer;
Sie halten an und schlängeln fort
Und singen Tod im Totenwort:
Och orro orro ollalu.

So singet laut den Pillalu
Und weinet was ihr weinen wollt!
Och orro orro ollalu,
Des Herren einziger Sohn ist fort.

Gedichtvortrag und Interpretation

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