Der Sommer hält den Atem an
bunte Tage rinnen durch das Netz der Zeit
ein Vogellaut noch dann und wann
bald duften Rosen nach Vergänglichkeit

Eine Weile noch flanieren
Sommer und Herbst Hand in Hand
summen ein Duett
bis im Pendelschlag schwingender Tage
ihre Melodie verweht

Ein Blatt goldbehaucht
löst sich in der Stille
kreiselt müde bevor es taumelnd
in den Schoß der Erde fällt
finale Töne im sterbenden Hain

Hinter der Hecke lauert der Winter
und durch das Geäst äugt der Mond
die Sichel fein geschliffen
nimm in den Arm deine Geige
und seufze dem Herbst ein Lied

Hab Geduld oh Herz sechs Monde noch
dann läuten Osterglocken den Frühling ein

Renate Heidler
(aus: „Wortgeflüster – Poesie mit allen Sinnen)

Mit diesem zeitgenössischen Gedicht wurde ich anlässlich einer Vorstellung von Herbstgedichten bekanntgemacht.

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