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Es gibt ein sehr probates Mittel,
die Zeit zu halten am Schlawittel:
Man nimmt die Taschenuhr zur Hand
und folgt dem Zeiger unverwandt.
Sie geht so langsam dann, so brav
als wie ein wohlgezogen Schaf,
setzt Fuß vor Fuß so voll Manier
Als wie ein Fräulein von Saint-Cyr.
Jedoch verträumst du dich ein Weilchen
so rückt das züchtigliche Veilchen
mit Beinen wie der Vogel Strauß
und heimlich wie ein Puma aus.
Und wieder siehst du auf sie nieder;
ha, Elende! – Doch was ist das?
Unschuldig lächelnd macht sie wieder
die zierlichsten Sekunden-Pas.
(Christian Morgenstern)

 

Eine großartige Ausformulierung einer alltäglichen Erfahrung: dass nämlich die mechanisch gemessene Zeit nicht mit unserem Lebensgefühl in Einklang ist.

In einem anderen Gedicht heißt es „Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
und ich frag, wo sie geblieben sind“ („Meine Zeit steht in deinen Händen„)

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