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Frieden

Das blaue Meer verliebt sich in das Leben,

Und tausend Augen sind uns wohlgesinnt:

Ja, schon beginnt der Hauche Tausch, der Kräuselwind!

Und lauter Herzen fangen an zu beben.

 

Bald wird das Meer sich wohl zum Ufer heben.

Die kleinste Welle, die als Schaum zerrinnt,

Die Spitzenschleier um die Erde spinnt,

Mag sich dann irgendwo und ganz ergeben.

 

Ein blauer Schmetterling hat sich verloren.

Im Blauen draußen find ich ihn nicht mehr:

Hat ihn der Strand als sein Geschenk erkoren?

 

Mein Herz, Dir werde nicht auf einmal schwer!

Bestimmt hast Du bereits ein Lied geboren,

Nun sing Dich aus, am traumhaft blauen Meer.

(Theodor Däubler)

Ein Gedicht von expressionistischer Farbigkeit. Viel Blau, aber alles nur sichtbar durch den Spitzenschleier das Schaums, was alles auflöst in kleine Farbflecken. Ganz Oberfläche und dadurch nicht bedrohlich, sondern friedlich

Werke

Zur Interpretation

Friedrich Schiller: „Die Pest. Eine Fantasie“

Gräßlich preisen Gottes Kraft
Pestilenzen würgende Seuchen,
Die mit der grausen Brüderschaft
Durchs öde Tal der Grabnacht schleichen.

Bang ergreifts das klopfende Herz,
Gichtrisch zuckt die starre Sehne,
Gräßlich lacht der Wahnsinn in das Angstgestöhne,
In heulende Triller ergeußt sich der Schmerz.

Raserei wälzt tobend sich im Bette –
Gift’ger Nebel wallt um ausgestorbne Städte
Menschen – hager – hohl und bleich –
Wimmeln in das finstre Reich.
Brütend liegt der Tod auf dumpfen Lüften,
Häuft sich Schätze in gestopften Grüften
Pestilenz sein Jubelfest.
Leichenschweigen – Kirchhofstille
Wechseln mit dem Lustgebrülle,
Schröcklich preiset Gott die Pest.

Aktuell wirkt in Zeiten der Corona-Epidemie das Bedrohungsgefühl. Die Sprache wirkt altertümlich. Ein großer Abstand zeigt sich in der Sichtbarkeit der Krankheit in der Öffentlichkeit im Vergleich zur Quarantäne aller, die unter deutlichen Krankheitsverdacht stehen. Der heutige verwaltungsmäßige Umgang in der Krankheitsabwehr sticht ab von der hoch emotionalen Beschreibung der Krankheitsfolgen.  Und doch die Ähnlichkeit bei den „ausgestorbnen Städten“. 

 

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