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I wander’d lonely as a cloud
That floats on high o’er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host, of golden daffodils;

Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.
Continuous as the stars that shine
And twinkle on the Milky Way,
They stretch’d in never-ending line
Along the margin of a bay:

Ten thousand saw I at a glance,
Tossing their heads in sprightly dance.
The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
In such a jocund company:

I gazed — and gazed — but little thought
What wealth the show to me had brought:
For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;

And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.

(William Wordsworth, 1804)

Der Inbegriff der zivilisationsgeprägten Naturliebe, die wir der Romantik verdanken. Immer wieder, wenn man Natur in dieser uns beigebrachten Weise dankbar in sich aufnimmt, kann man Verse daraus für sich zitieren.

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sive per Syrtes iter aestuosas,
sive facturus per inhospitalem
Caucasum vel quae loca fabulosus

lambit Hydaspes.

Namque me silva lupus in Sabina,
dum meam canto Lalagen et ultra
terminum curis vagor expeditis,

fugit inermem,

quale portentum neque militaris
Daunias latis alit aesculetis,
nec Iubae tellus generat, leonum

arida nutrix

Pone me pigris ubi nulla campis
arbor aestiva recreatur aura,
quod latus mundi nebulae malusque

Jupiter urget;

pone sub curru nimium propinqui
solis, in terra domibus negata:
Dulce ridentem Lalagen amabo,

dulce loquentem.

Klassisches Versmaß habe ich nie im griechischen Original genießen können. Bei Horaz hatte ich am Klang mancher Verse meine Freude. Den Inhalt habe ich, bei der ersten Übersetzung noch parat gehabt, danach war er beim Rezitieren der Verse nur noch halb präsent.
Umso mehr Spaß hatte ich an Morgensterns Travestien, die bei aller Profanisierung so manches von der Haltung des Sprechers bewahrten.

Wer ein braver, ehrlicher Gottesmensch ist,
braucht nicht Degenstöcke, noch Ochsenziemer,
noch amerikanische Schlagringwaffen,

noch auch Revolver, –

ob er die unwirtliche Hasenheide
oder den Tiergarten des Nachts durchwandert
oder nach dem Norden Berlins geht, wo die

Panke sich schlängelt.

Stiefle ich im Grunewald jüngst nach Schildhorn,
pfeife lustig «Anne-Marie, erhör mich!»,
als ein Hirsch zwölf Schritte vor mir sich regt und –

fort wie der Satan!

’s war ein Kapitalkerl, ein Achtzehnender,
wie so groß ich keinen zuvor gesehen!
Keine Waffe hatt ich –  und doch! er forcht sich! –:

fort wie der Satan!

Laß am Nordpol mich zu den Robben gehen
und im ewigen Eise den Eisbären treffen –
Glaubst du, daß mir einer ein Leides täte?

Ebensowenig!

Wär ich in der Wüste, im Löwenviertel
Afrikas, ich würde mich doch nicht fürchten!
Pfeifen würd ich «Anne-Marie, erhör mich»,

pfeifen, ja pfeifen.

Die Faulen werden geschlachtet,

die Welt wird fleißig.

Die Häßlichen werden geschlachtet,

die Welt wird schön.

Die Narren werden geschlachtet.

die Welt wird weise.

Die Kranken werden geschlachtet,

die Welt wird gesund.

Die Alten werden geschlachtet,

die Welt wird jung.

Die Traurigen werden geschlachtet,

die Welt wird lustig.

Die Feinde werden geschlachtet,

die Welt wird freundlich.

Die Bösen werden geschlachtet,

die Welt wird gut.

aus: Erich Fried: gesammelte Werke. Bd. 1. Wagenbach Verlag. München 1993, S. 565. © Claassen.

Das Wort schlachten wird verbunden mit vielen positiven Eigenschaften: Fleiß, Schönheit, Weisheit …

So unpassend das klingt, immer wieder tauchen Sätze auf, die sich auf Erfahrungen aus der Realität beziehen:

Häßliche stellen sich dem Chirugen, damit er sie schön macht. Die Geisteskranken und -schwachen (Narren) wurden getötet, damit nur Gesunde weiterleben sollten. Feinde sollen getötet werden, um die Welt sicherer erscheinen zu lassen. So überfällt man aus Angst vor Al Quaida Afghanistan.

Als das Schlachten die Welt lustig machen soll, spürt man den Wahnsinn, der dahinter steht.

Aber erst die letzte Zeile entlarvt die Versprechen von vorher als Zwecklügen. Wie kann Schlachten anderer Menschen die Welt gut machen?

Das Töten von Feinden hat ja seit Jahrtausenden seine Rechtfertigung gefunden und die bestand im Grunde immer darin, dass nur so die wünschenswerte gute Welt entstehen könne. Erst da, wo die Methode Schlachten direkt dazu führen soll, dass die Welt gut wird, da erst wird die Argumentation Der Zweck heiligt die Mittel ganz ad absurdum geführt. Erreicht wird es aber nicht allein durch die letzten beiden Zeilen, sondern dadurch, dass das Ergebnis dieser ständigen Schlachterei die Welt gut machen soll.

Hier findet sich eine Anregung, wie man das Gedicht im Unterricht behandeln kann, und hier weitere Gedichte von Fried, über die nachzudenken sich lohnt.

 

Durch so viel Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewusst,
es gibt nur eines: ertrage
– ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –
dein fernbestimmtes: Du musst.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

(Gottfried Benn)

Es lässt sich hier viel kommentieren und interpretieren.

Dass es „mein“ Gedicht „meines“ Wahlschriftstellers wurde, den wir damals für das Abitur in Deutsch haben sollten, lag an der Verbindung von großem Ton – den Benn in seinem Vortrag „Probleme der Lyrik“ ja als ein „So geht es nicht mehr“ bezeichnet hat – mit Verhaltenheit und Resignation, die sich als heroische darstellt.


Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere
und
ob Sinn, ob Sucht, ob Sage diese großen Worte, die den großen Ton bringen, den Benn nicht nur in „Dennoch die Schwerter halten“ immer wieder gebraucht hat.

Schließlich das gezeichnete Ich. Es passt in Pubertät, Nachpubertät, ins Reifealter, ins Alter.

Aber nicht nur das Gedicht, sondern auch meine naseweise Anfrage an unseren Lehrer, als er uns Warum? als die typische Kinderfrage vorstellte, ist für mich mit diesem Gedicht verbunden. Natürlich ist Wozu? alles andere als eine Kinderfrage, und man kann sie geradezu als Beleg für das Ende der Kindheit ansehen, wenn Leistungsstreben (Zweck) an die Stelle von Selbstvergessenheit tritt. Erlebt habe ich die Frage als die typische Abwehrfrage gegen menschliche Herausforderungen. Aber Benn meint mit Kinderfrage ja auch nicht die Frage eines Kindes, sondern die eines Menschen, der noch nicht zum stolz-resignativen gezeichneten Ich hindurchgedrungen ist.

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