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SONNET 73

That time of year thou may’st in me behold
When yellow leaves, or none, or few, do hang
Upon those boughs which shake against the cold,
Bare ruin’d choirs, where late the sweet birds sang.
In me thou see’st the twilight of such day,
As after sunset fadeth in the west,
Which by-and-by black night doth take away,
Death’s second self, that seals up all in rest.
In me thou see’st the glowing of such fire
That on the ashes of his youth doth lie,
As the death-bed whereon it must expire
Consum’d with that which it was nourish’d by.
This thou perceivest, which makes thy love more strong,
To love that well which thou must leave ere long.

Kongenial übersetzt von Michael Mertes. Ich gebe zu, dass ich die Übersetzung zuerst kennen und lieben lernte: Die herbstlichen Farben, die Ähnlichkeit der eigenen Lebenssituation mit dem Herbst von Ende Oktober / Anfang November, die menschliche Haltung.
Natürlich findet sich das im Barock tausendfach; aber so wenig artifiziell mit so großem Kunstverstand gesagt, berührt es mich sehr.

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Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts
Geschäft’ger Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh‘ und Ruh‘
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich
Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb‘ und Leid! –
Doch, wie verscheucht von töriger Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wirds und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich –

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

Wenn man älter wird, sollte man bei allen – begründeten – Gefühlen des Verlusts bedenken, wie viele Leiden zur Jugend gehören, nicht nur die Leiden der jungen Werthers der in einen falschen Beruf, in eine unerträgliche Gesellschaft sich gefesselt sieht und die Frau, in der er – anders als Goethe – die einzig mögliche  Erfüllung seines Lebens erkannt zu haben glaubt, an einen anderen gefesselt.
Nein, auch der ungeheure Druck, der von dem „Werde, der du bist“ ausgeht: die Sorge, das, was man an Einzigartigem in sich fühlt, nie wirklich ausbilden zu können.

In diesem Gedicht klagt er: „warum schläft denn / Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?“

Das „göttlich Recht“ der Selbstverwirklichung mahnt er in einem anderen Gedicht an und hofft, dass statt ewiger Unruhe im Totenreich es ihm doch zuteil werde:

Doch ist mir einst das Heilige, das am
Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt !
Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
Mich nicht hinab geleitet; Einmal
Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.

Im vorliegenden Gedicht erhofft er sich das Ende der Ruhelosigkeit schon im Alter:
„Friedlich und heiter ist dann das Alter.“

Im Leben erreichte ihn die geistige Umnachtung mit 37 Jahren im Tübinger Turm.

Die Sprachformen „nimmt mich“ und „töriger Bitte“ erinnern uns daran, dass unsere Hochsprache nicht immer so genormt war, wie wir seit dem 20. Jahrhundert gewohnt sind, sie uns zu denken.

Oktober 2017
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