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»Nehmt hin die Welt!« rief Zeus von seinen Höhen
Den Menschen zu. »Nehmt, sie soll euer sein!
Euch schenk ich sie zum Erb und ewgen Lehen,
Doch teilt euch brüderlich darein.«
 
Da eilt, was Hände hat, sich einzurichten,
Es regte sich geschäftig jung und alt.
Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
Der Junker birschte durch den Wald.
 
Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,
Der Abt wählt sich den edeln Firnewein,
Der König sperrt die Brücken und die Straßen
Und sprach: »Der Zehente ist mein.«
 
Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
Naht der Poet, er kam aus weiter Fern;
Ach! da war überall nichts mehr zu sehen,
Und alles hatte seinen Herrn!
 
»Weh mir! so soll ich denn allein von allen
Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?«
So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
Und warf sich hin vor Jovis Thron.
 
»Wenn du im Land der Träume dich verweilet«,
Versetzt der Gott, »so hadre nicht mit mir.
Wo warst du denn, als man die Welt geteilet?«-
»Ich war«, sprach der Poet, »bei dir.
 
Mein Auge hing an deinem Angesichte,
An deines Himmels Harmonie mein Ohr –
Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte
Berauscht, das Irdische verlor!«
 
»Was tun?« spricht Zeus. »Die Welt ist weggegeben,
Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein.
Willst du in meinem Himmel mit mir leben:
So oft du kommst, er soll dir offen sein.«

Wenn man’s von Klaus Kinski gelesen haben will, kostet’s Geld.

Die Deutung, der Dichter habe mit dem Himmel das bessre Teil bekommen, geht vermutlich ziemlich an Schillers Lebensgefühl vorbei. Zu hart musste er als Schwerkranker noch arbeiten, zu scharf musste er kalkulieren und auf Einnahmen von noch zu schreibenden Stücken setzen, als dass er sich mit seinem wirtschaftlichen Status hätte zufrieden bescheiden können.

In einer zuvor anonym veröffentlichten Fassung des Gedichtes heißt es in der 3. Strophe noch viel schärfer:

Der Kaufmann füllte sein Gewölb, die Scheune
Der Fermier, das Faß der Seelenhirt,
Der König sagte: Jeglichem das Seine:
Und mein ist – was geerntet wird!*

*zitiert nach Peter von Matt: Wörterleuchten, 2009, S.50

So scharf die Fürsten anzugreifen, entsprach ganz dem Geiste der Räuber, wer als – vom Staat nicht bezahlter – Professor arbeitete (als Privatdozent bekam Schiller nur die Hörergelder), hielt sich besser zurück.

Es ist ja wirklich so eine Sache mit dem Himmel. Hölderlin schrieb wenig später: „Einmal lebt‘ ich wie Götter, und mehr bedarfs nicht.“
In seiner unglücklichen Liebe, in den beengten Verhältnissen, in denen er in Bad Homburg lebte und dann langsam in den Wahnsinn verfiel, wird er nicht wirklich noch so gedacht haben, wenn es denn je mehr als ein Bild für den seelischen Aufschwung war, den der schöpferische Mensch bei seiner Arbeit – kurzfristig – erleben kann.

Wo ist die Hand so zart, daß ohne Irren
Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren,
So fest, daß ohne Zittern sie den Stein
Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein?
Wer wagt es, eitlen Blutes Drang zu messen,
Zu wägen jedes Wort, das unvergessen
In junge Brust die zähen Wurzeln trieb,
Des Vorurteils geheimen Seelendieb?
Du Glücklicher, geboren und gehegt
Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,
Leg hin die Waagschal‘, nimmer dir erlaubt!
Laß ruhn den Stein – er trifft dein eignes Haupt!

Dies Gedicht steht am Anfang der „Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff und ist mit seinem starken biblischen Bezug ein starkes Plädoyer für den Protagonisten, der in der Erzählung selbst sehr realistisch als nicht unbegabt, aber eitel und ziemlich gewissenlos dargestellt wird.
Mich hat es sehr beeindruckt, als ich es in der Pubertät kennenlernte, habe ich mich doch sehr mit dem angesprochenen „Glücklichen“ identifiziert und viel mehr Mitgefühl mit dem abstrakten Schuldigen gehabt, als ich es heute für Gewalttäter aufbringe – aus Furcht, selbst einer Gewalttat zum Opfer zu fallen, und nach Presseberichten über den Mord an einem Mann, der voller Zivilcourage nicht weggesehen hatte. (Jetzt wird neu der Fall des Nigerianers Emeka Okoronkwo berichtet, der mit dem Tod bezahlte, dass er zwei Frauen beistand.)

(Hier findet sich in einem pdf-Dokument ein textkritischer Kommentar des Gedichts und der gesamten Erzählung.)

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