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Komm, Liebchen, komm! Umwinde mir die Mütze!
Aus deiner Land nur ist der Tulbend schön.
Hat Abbas doch, auf Irans höchstem Sitze,
Sein Haupt nicht zierlicher umwinden sehn!

Ein Tulbend war das Band, das Alexandern
In Schleifen schön vom Haupte fiel,
Und allen Folgeherrschern, jenen Andern,
Als Königszierde wohlgefiel.

Ein Tulbend ist’s, der unsern Kaiser schmücket;
Sie nennen’s Krone. Name geht wohl hin!
Juwel und Perle! Sei das Aug‘ entzücket!
Der schönste Schmuck ist stets der Musselin.

Und diesen hier, ganz rein und silberstreifig,
Umwinde, Liebchen, um die Stirn umher.
Was ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig!
Du schaust mich an, ich bin so groß als er.

Am dollsten sind die Zeilen Ein Tulbend ist’s, der unsern Kaiser schmücket; / Sie nennen’s Krone. Name geht wohl hin! Selten ist so offenkundig Falsches so lässig gerechtfertigt worden. Auffallend souverän!
Aber natürlich haben auch die Zeilen Was ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig! / Du schaust mich an, ich bin so groß als er. es in sich, auch wenn sie andere Hyperbeln des Geliebtenlobes – etwa in Shakespeares Sonetten – nicht ganz erreichen.
Nun, die Verse sind von Goethe, Teil seiner Alterslyrik aus dem „West-östlichen Divan“. Er kannte seinen Wert, er liebte und fühlte sich geliebt. Da war es leicht, lockeres Selbstbewusstsein zu demonstrieren. In Marienbad war es dann anders.

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Von dem Berge zu den Hügeln,
Niederab das Tal entlang,
Da erklingt es wie von Flügeln,
Da bewegt sich’s wie Gesang;
Und dem unbedingten Triebe
Folget Freude, folget Rat;
Und dein Streben, sei’s in Liebe,
Und dein Leben sei die Tat.

Denn die Bande sind zerrissen,
Das Vertrauen ist verletzt;
Kann ich sagen, kann ich wissen,
Welchem Zufall ausgesetzt
Ich nun scheiden, ich nun wandern,
Wie die Witwe trauervoll,
Statt dem einen mit dem andern
Fort und fort mich wenden soll!

Bleibe nicht am Boden heften,
Frisch gewagt und frisch hinaus!
Kopf und Arm mit heitern Kräften,
Überall sind sie zu Haus;
Wo wir uns der Sonne freuen,
Sind wir jede Sorge los:
Daß wir uns in ihr zerstreuen,
Darum ist die Welt so groß.

Dies Gedicht aus dem 1. Kapitel des dritten Buches von Goethes Wanderjahren erhält seine Interpretation zum einen durch den Zusammenhang, in dem es dort steht. Andererseits sollte man auch berücksichtigen, dass es auf die Amerikafahrer des Schlusses der Wanderjahre hindeutet und dass heiter beim alten Goethe etwas ganz anderes bedeutet, als was wir uns unter „allgemeine Heiterkeit“ vorstellen. Fast geht es etwas in Richtung von abgeklärt wie in „friedlich und heiter ist dann das Alter“ bei Hölderlin. Besser trifft vielleicht in diesem Kontext: frohgemutes Sich-nicht-irre-machen-lassen.

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