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Was ist Gott? unbekannt, dennoch

Voll Eigenschaften ist das Angesicht

Des Himmels von ihm. Die Blitze nämlich

Der Zorn sind eines Gottes. Je mehr ist eins

Unsichtbar, schicket es sich in Fremdes. Aber der Donner

Der Ruhm ist Gottes. Die Liebe zur Unsterblichkeit

Das Eigentum auch, wie das unsere,

Ist eines Gottes.

Martin Walser sagt dazu: „Hölderlin war einerseits offenbar imstande, die Welt zu erleben, zu erfahren, als sei sie noch nicht beschrieben. So unmittelbar im Natürlichen kann der die Physiognomie eines Gottes erfahren.“ (Walser: Lieber schön als wahr, ZEIT 4/2003, 16.1.03)

Die Güte Gottes

Wie groß ist des Allmächtgen Güte!
Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt;
Der mit verhärtetem Gemüthe
Den Dank erstickt, der ihr gebührt?
Nein, seine Liebe zu ermessen,
Sey ewig meine größte Pflicht.
Der Herr hat mein noch nie vergessen;
Vergiß mein Herz auch seiner nicht.

Wer hat mich wunderbar bereitet?
Der Gott, der meiner nicht bedarf.
Wer hat mit Langmuth mich geleitet?
Er, dessen Rath ich oft verwarf.
Wer stärkt den Frieden im Gewissen?
Wer giebt dem Geiste neue Kraft?
Wer läßt mich so viel Glück genießen?
Ists nicht sein Arm, der alles schafft?

Schau, o mein Geist, in jenes Leben,
Zu welchem du erschaffen bist;
Wo du, mit Herrlichkeit umgeben,
Gott ewig sehn wirst, wie er ist.
Du hast ein Recht zu diesen Freuden;
Durch Gottes Güte sind sie dein.
Sieh, darum mußte Christus leiden,
Damit du könntest selig seyn!

Und diesen Gott sollt ich nicht ehren?
Und seine Güte nicht verstehn?
Er sollte rufen; ich nicht hören?
Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn?
Sein Will ist mir ins Herz geschrieben;
Sein Wort bestärkt ihn ewiglich.
Gott soll ich über alles lieben,
Und meinen Nächsten gleich als mich.

Dieß ist mein Dank, dieß ist sein Wille.
Ich soll vollkommen seyn, wie er.
So lang ich dieß Gebot erfülle,
Stell ich sein Bildniß in mir her.
Lebt seine Lieb in meiner Seele:
So treibt sie mich zu jeder Pflicht.
Und ob ich schon aus Schwachheit fehle,
Herrscht doch in mir die Sünde nicht.

O Gott, laß deine Güt und Liebe
Mir immerdar vor Augen seyn!
Sie stärk in mir die guten Triebe,
Mein ganzes Leben dir zu weihn.
Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen;
Sie leite mich zur Zeit des Glücks;
Und sie besieg in meinem Herzen
Die Furcht des letzten Augenblicks.

Christian Fürchtegott Gellert

Herr, schicke was du willt
Ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, daß Beides
aus deinen Händen quillt.

Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden
Mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten,
Liegt holdes Bescheiden.

(Eduard Mörike)

Das Gedicht beeindruckt in seiner Gottergebenheit. Die dritte Bitte des Vaterunsers „Dein Wille geschehe“ wird ausgeführt. Leid wird nicht beklagt, es wird nicht darüber gerechtet, es wird als gottgegeben akzeptiert.

Diese Aussage bleibt erhalten, auch wenn man dem nachspürt, was zu dieser Aussage nicht so ganz passt.

Da ist zum einen das ungewohnte willt. Natürlich kann man mit Reimzwang und altertümliche Form darüber hinweggehen, doch das reicht bei einem Dichter wie Mörike nicht aus. Denn er ist nicht gezwungen, in diesem kurzen Gedicht unbedingt das Wort quillt zu verwenden, und außerdem gibt es manche andere Reimwörter dazu. Und die altertümliche Form ist bereits so ungewohnt, dass sie auffallen muss. Weshalb also der harte Schluss schon in der ersten Zeile?

Zweierlei legt sich nahe. Zum einen: Das Leid, was kommt, kann man sich hinzunehmen zwar vornehmen, es bleibt aber trotzdem hart, es passt sich nicht ein und stört.

Zum andern: Das willt verweist voraus auf quillt, und dieses quillt passt gar nicht zu dem Wunsch des Beters, dass er nicht überschüttet werden will. Denn er nimmt ja nicht eine Gabe Gottes aus diesen Händen an, sondern Freud und Leid quellen aus ihnen hervor, auch ohne dass sie sich darreichend öffnen.  Dies Bild kann verstören, wenn man nicht zugleich den Ursprung des Wortes von Quelle her bedenkt. Gott ist Quelle und Ursprung des Lebens, er ist der Schöpfer, ohne ihn ist nichts, und deshalb wird, wer das Leben empfängt, damit zugleich all das empfangen, was ihm der Schöpfer in diesem Leben zugedacht hat.

Von da aus wird auch klar, was die Aussage der zweiten Strophe ist. Die ist nämlich gar nicht so gottergeben, wie das Gedicht als ganzes wirkt. Hier hat der Beter nämlich eine Forderung an Gott. Er soll ihn nicht überschütten. Doch diese Forderung, dass nicht einfach hingenommen wird, was das Leben bringt, das – sagt der Beter – sei ein Bescheiden, hold, das heißt in treuer Freundschaft.

Von da aus wird klar: Der Beter spricht gegenüber Gott aus, dass er ein Übermaß an Leiden, wie es Hiob erfahren musste, nicht hinnehmen könnte. Dann könnte er ihm nicht mehr hold sein, dann würde er mit ihm rechten. Doch er sagt es nur ganz verhalten, versteckt, gebändigt. Die Gesamtaussage bleibt: Ich nehme mein Schicksal hin, weil es von dir kommt, von dem ich gemacht bin.

Max Bruch hat in seiner Vertonung des Gebets Härte und Forderung bereits in das erste Wort Herr gelegt. Im Forte wird es von drei Stimmen vorgetragen und denen ins Wort fallend vom Bass sofort wiederholt.

Von da ab stimmt auch Bruch seine Vertonung ganz auf Gottergebenheit ab. Zwar wird das Wort Leid klagend vorgetragen, doch klingt es gerade dadurch schön. Und nach Spannungen während des weiteren Vortrags klingt das Gebet im Piano in stiller Harmonie aus.

Juni 2017
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