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Wo aber Gefahr ist, wächst

Das Rettende auch.

Dieser Satz Hölderlins gehört zu seinen meist zitierten. Von den jungen Männern, die im Ersten Weltkrieg nach dem Verlust der Marneschlacht am Beginn der ersten Flandernschlacht gegen die französischen Stellungen vorgingen, mögen manche die Zeile gekannt haben. Vor allem aber diente ihr Einsatz der Schaffung des Mythos von Langemarck durch die deutsche Heeresleitung mit dem Bericht vom 11. November 1914, „der von fast allen deutschen Zeitungen auf der ersten Seite abgedruckt wurde“.(Wikipedia) Und dem anderen Mythos davon, dass die deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg zuviel Hölderlin gelesen hätten. Doch jetzt der Satz in seinem Kontext:

Patmos (Erste Fassung 1803)

Nah ist

Und schwer zu fassen der Gott.

Wo aber Gefahr ist, wächst

Das Rettende auch.

Im Finstern wohnen

Die Adler und furchtlos gehn

Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg

Auf leichtgebaueten Brücken.

Drum, da gehäuft sind rings

Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten

Nah wohnen, ermattend auf

Getrenntesten Bergen,

So gib unschuldig Wasser,

O Fittige gib uns, treuesten Sinns

Hinüberzugehn und wiederzukehren.

So sprach ich, da entführte

Mich schneller, denn ich vermutet,

Und weit, wohin ich nimmer

Zu kommen gedacht, ein Genius mich

Vom eigenen Haus. Es dämmerten

Im Zwielicht, da ich ging,

Der schattige Wald

Und die sehnsüchtigen Bäche

Der Heimat; nimmer kannt ich die Länder;

Doch bald, in frischem Glanze,

Geheimnisvoll

Im goldenen Rauche, blühte

Schnellaufgewachsen,

Mit Schritten der Sonne,

Mit tausend Gipfeln duftend,

Mir Asia auf, und geblendet sucht

Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt

War ich der breiten Gassen, wo herab

Vom Tmolus fährt

Der goldgeschmückte Paktol

Und Taurus stehet und Messogis,

Und voll von Blumen der Garten,

Ein stilles Feuer, aber im Lichte

Blüht hoch der silberne Schnee,

Und Zeug unsterblichen Lebens

An unzugangbaren Wänden

Uralt der Efeu wächst und getragen sind

Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern,

Die feierlichen,

Die göttlichgebauten Paläste.

Es rauschen aber um Asias Tore

Hinziehend da und dort

In ungewisser Meeresebene

Der schattenlosen Straßen genug,

Doch kennt die Inseln der Schiffer.

Und da ich hörte,

Der nahegelegenen eine

Sei Patmos,

Verlangte mich sehr,

Dort einzukehren und dort

Der dunkeln Grotte zu nahn.

Denn nicht, wie Cypros,

Die quellenreiche, oder

Der anderen eine

Wohnt herrlich Patmos,

Gastfreundlich aber ist

Im ärmeren Hause

Sie dennoch

Und wenn vom Schiffbruch oder klagend

Um die Heimat oder

Den abgeschiedenen Freund

Ihr nahet einer

Der Fremden, hört sie es gern, und ihre Kinder,

Die Stimmen des heißen Hains,

Und wo der Sand fällt, und sich spaltet

Des Feldes Fläche, die Laute,

Sie hören ihn und liebend tönt

Es wider von den Klagen des Manns. So pflegte

Sie einst des gottgeliebten,

Des Sehers, der in seliger Jugend war

Gegangen mit

Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn

Es liebte der Gewittertragende die Einfalt

Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann

Das Angesicht des Gottes genau,

Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie

Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls,

Und in der großen Seele, ruhigahnend, den Tod

Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug

Hatt er von Güte zu sagen

Der Worte, damals, und zu erheitern, da

Ers sahe, das Zürnen der Welt.

Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre

Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte,

Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt,

Doch trauerten sie, da nun

Es Abend worden, erstaunt,

Denn Großentschiedenes hatten in der Seele

Die Männer, aber sie liebten unter der Sonne

Das Leben und lassen wollten sie nicht

Vom Angesichte des Herrn

Und der Heimat. Eingetrieben war,

Wie Feuer im Eisen, das, und ihnen ging

Zur Seite der Schatte des Lieben.

Drum sandt er ihnen

Den Geist, und freilich bebte

Das Haus und die Wetter Gottes rollten

Ferndonnernd über

Die ahnenden Häupter, da, schwersinnend,

Versammelt waren die Todeshelden,

Itzt, da er scheidend

Noch einmal ihnen erschien.

Denn itzt erlosch der Sonne Tag,

Der Königliche, und zerbrach

Den geradestrahlenden,

Den Zepter, göttlichleidend, von selbst,

Denn wiederkommen sollt es,

Zu rechter Zeit. Nicht wär es gut

Gewesen, später, und schroffabbrechend, untreu,

Der Menschen Werk, und Freude war es

Von nun an,

Zu wohnen in liebender Nacht, und bewahren

In einfältigen Augen, unverwandt

Abgründe der Weisheit. Und es grünen

Tief an den Bergen auch lebendige Bilder,

Doch furchtbar ist, wie da und dort

Unendlich hin zerstreut das Lebende Gott.

Denn schon das Angesicht

Der teuern Freunde zu lassen

Und fernhin über die Berge zu gehn

Allein, wo zweifach

Erkannt, einstimmig

War himmlischer Geist; und nicht geweissagt war es, sondern

Die Locken ergriff es, gegenwärtig,

Wenn ihnen plötzlich

Ferneilend zurück blickte

Der Gott und schwörend,

Damit er halte, wie an Seilen golden

Gebunden hinfort

Das Böse nennend, sie die Hände sich reichten –

Wenn aber stirbt alsdenn,

An dem am meisten

Die Schönheit hing, daß an der Gestalt

Ein Wunder war und die Himmlischen gedeutet

Auf ihn, und wenn, ein Rätsel ewig füreinander,

Sie sich nicht fassen können

Einander, die zusammenlebten

Im Gedächtnis, und nicht den Sand nur oder

Die Weiden es hinwegnimmt und die Tempel

Ergreift, wenn die Ehre

Des Halbgotts und der Seinen

Verweht und selber sein Angesicht

Der Höchste wendet

Darob, daß nirgend ein

Unsterbliches mehr am Himmel zu sehn ist oder

Auf grüner Erde, was ist dies?

Es ist der Wurf des Säemanns, wenn er faßt

Mit der Schaufel den Weizen,

Und wirft, dem Klaren zu, ihn schwingend über die Tenne.

Ihm fällt die Schale vor den Füßen, aber

Ans Ende kommet das Korn,

Und nicht ein Übel ists, wenn einiges

Verloren gehet und von der Rede

Verhallet der lebendige Laut,

Denn göttliches Werk auch gleichet dem unsern,

Nicht alles will der Höchste zumal.

Zwar Eisen träget der Schacht,

Und glühende Harze der Aetna,

So hätt ich Reichtum,

Ein Bild zu bilden, und ähnlich

Zu schaun, wie er gewesen, den Christ,

Wenn aber einer spornte sich selbst,

Und traurig redend, unterweges, da ich wehrlos wäre,

Mich überfiele, daß ich staunt und von dem Gotte

Das Bild nachahmen möcht ein Knecht –

Im Zorne sichtbar sah ich einmal

Des Himmels Herrn, nicht, daß ich sein sollt etwas, sondern

Zu lernen. Gütig sind sie, ihr Verhaßtestes aber ist,

Solange sie herrschen, das Falsche, und es gilt

Dann Menschliches unter Menschen nicht mehr.

Denn sie nicht walten, es waltet aber

Unsterblicher Schicksal und es wandelt ihr Werk

Von selbst, und eilend geht es zu Ende.

Wenn nämlich höher gehet himmlischer

Triumphgang, wird genennet, der Sonne gleich,

Von Starken der frohlockende Sohn des Höchsten,

Ein Losungszeichen, und hier ist der Stab

Des Gesanges, niederwinkend,

Denn nichts ist gemein. Die Toten wecket

Er auf, die noch gefangen nicht

Vom Rohen sind. Es warten aber

Der scheuen Augen viele,

Zu schauen das Licht. Nicht wollen

Am scharfen Strahle sie blühn,

Wiewohl den Mut der goldene Zaum hält.

Wenn aber, als

Von schwellenden Augenbraunen,

Der Welt vergessen

Stilleuchtende Kraft aus heiliger Schrift fällt, mögen,

Der Gnade sich freuend, sie

Am stillen Blicke sich üben.

Und wenn die Himmlischen jetzt

So, wie ich glaube, mich lieben,

Wie viel mehr Dich,

Denn Eines weiß ich,

Daß nämlich der Wille

Des ewigen Vaters viel

Dir gilt. Still ist sein Zeichen

Am donnernden Himmel. Und Einer stehet darunter

Sein Leben lang. Denn noch lebt Christus.

Es sind aber die Helden, seine Söhne,

Gekommen all und heilige Schriften

Von ihm und den Blitz erklären

Die Taten der Erde bis itzt,

Ein Wettlauf unaufhaltsam. Er ist aber dabei. Denn seine Werke sind

Ihm alle bewußt von jeher.

Zu lang, zu lang schon ist

Die Ehre der Himmlischen unsichtbar.

Denn fast die Finger müssen sie

Uns führen und schmählich

Entreißt das Herz uns eine Gewalt.

Denn Opfer will der Himmlischen jedes,

Wenn aber eines versäumt ward,

Nie hat es Gutes gebracht.

Wir haben gedienet der Mutter Erd

Und haben jüngst dem Sonnenlichte gedient,

Unwissend, der Vater aber liebt,

Der über allen waltet,

Am meisten, daß gepfleget werde

Der feste Buchstab, und Bestehendes gut

Gedeutet. Dem folgt deutscher Gesang.

(Friedrich Hölderlin)

zur Interpretation (Wikipedia)

Was ist Gott? unbekannt, dennoch

Voll Eigenschaften ist das Angesicht

Des Himmels von ihm. Die Blitze nämlich

Der Zorn sind eines Gottes. Je mehr ist eins

Unsichtbar, schicket es sich in Fremdes. Aber der Donner

Der Ruhm ist Gottes. Die Liebe zur Unsterblichkeit

Das Eigentum auch, wie das unsere,

Ist eines Gottes.

Martin Walser sagt dazu: „Hölderlin war einerseits offenbar imstande, die Welt zu erleben, zu erfahren, als sei sie noch nicht beschrieben. So unmittelbar im Natürlichen kann der die Physiognomie eines Gottes erfahren.“ (Walser: Lieber schön als wahr, ZEIT 4/2003, 16.1.03)

Heidelberg

Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.

Wie der Vogel des Waldes über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.

Wie von Göttern gesandt, fesselt‘ ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien

Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehen,
In die Fluten der Zeit sich wirft.

Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
All‘ ihm nach, und es bebte
Aus den Wellen ihr lieblich Bild.

Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Bilder
Rauschten über die Burg herab.

Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
an den Hügel gelehnt oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruhn.

Eine Burg hängt, eine Brücke tönt, die Ferne scheint in die Berge, Gassen sind dem Ufer hold.
Adjektive werden von ihren Substantiven getrennt.
Nichtssagende Adjektive wie reizend, freundlich, lieblich und „unds“ die Menge.
Verquere Wortstellung, immer wieder getrennte Zusammenhänge.
Und Bilder wie der Strom glänzt vorbei, das Bild bebt aus den Wellen.

Warum gilt dies Gedicht trotz aller Heidelbergromantik als das gelungenste über Heidelberg?

Kellers Strophe zeigt uns die Brücke doch so viel treffender als Hölderlins Bild vom Waldvogel:

Schöne Brücke, hast mich oft getragen,
Wenn mein Herz erwartungsvoll geschlagen
Und mit Dir den Strom ich überschritt
Und mich dünkte, deine stolzen Bogen
Sind in kühnerm Schwunge mitgezogen
Und sie fühlten mein Freude mit.

Warum gräbt man die erste Strophe dieses kunstlosen Liedes in Stein und nicht Goethes

Hintenan, bebuscht und traulich,
Steigt der Felsen in die Höhe;
Und mit hohem Wald umzogen,
Und mit Ritterschloß gekrönet“

Ist es doch ein Schloss und keine Burg, wie es bei Hölderlin heißt. Und was soll das mit der hängenden Burg?

Lange lieb ich und dann beim Blick von der Brücke traurigfroh bereit, liebend unterzugehn. Es ist etwas anderes als Beschreibung und mehr als Lob.

Wie das – angeblich kunstlos – erreicht wird, ist genauer zu betrachten.
Es ist eine Ode mit asklepiadeischen Strophen. Das Versmaß fließt dahin, wird aber nicht nur durch die Innenzäsuren der ersten beiden Zeilen, sondern stärker noch durch das Aufeinanderfolgen von zwei Hebungen an Schluss und Anfang der beiden ersten und am Anfang der dritten Zeile bestimmt.

Auf die erste Strophe, die eine Art Einleitung darstellt, folgen zwei Bilder: zum einen Brücke mit Fluss, zum anderen das Schloss (hier Burg genannt). Das sind die beiden Elemente, die noch heute den berühmtesten Blick auf die Stadt prägen. Beide Bilder enthalten ein bewegtes Element: beim ersten ist es der Strom, der in die Ebene zieht. Beim zweiten sind es die Bilder, die über die Burg herab rauschen.
Die Abwärtsbewegung des zweiten Teils ist recht dramatisch gestaltet: Die Burg liegt nicht am Hang, sondern hängt „schwer in das Tal“, als ob sie abzustürzen drohte und die Stadt dadurch gefährdete. Zusätzlich wird durch die Voranstellung des „nieder bis auf den Grund“ in der folgenden Partizipialkonstruktion zunächst die Assoziation erweckt, die Burg hinge bis auf den Talgrund. (Der Hinweis „von den Wettern zerrissen“ bezieht sich übrigens auf den durch zwei Blitzeinschläge verursachten Brand von 1794, der letztlich der entscheidende Grund war, weshalb das Schloss Ruine blieb.)
Das „doch“ der nächsten Zeile leitet dann aber nicht nur ein freundlicheres Bild ein, sondern lenkt den Blick wieder neu nach oben, von wo aus dann das Licht gegossen werden kann, die Bilder rauschen, die Sträucher und Gassen den Hang herunter kommen.
Eine Spannung ergibt sich daraus, dass gerade die ewige (und somit uralte) Sonne das vergleichsweise neue Schloss verjüngt. Damit wird die verschönernde und belebende Rolle des Lichts noch stärker hervorgehoben, verstärkt durch das vorangestellte „lebendiger“. Während der Pflanzenbewuchs von Mauern an sich eher den Eindruck verstärkt, dass es sich um ein älteres Gebäude handelt, zumal wenn es Mauerreste sind, die überwachsen sind, nimmt Hölderlin den Bewuchs als Zeichen der Verjüngung.
Noch freundlicher wird das Bild dann durch die blühenden Sträucher in den duftenden Gärten.

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts
Geschäft’ger Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh‘ und Ruh‘
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich
Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb‘ und Leid! –
Doch, wie verscheucht von töriger Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wirds und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich –

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

Wenn man älter wird, sollte man bei allen – begründeten – Gefühlen des Verlusts bedenken, wie viele Leiden zur Jugend gehören, nicht nur die Leiden der jungen Werthers der in einen falschen Beruf, in eine unerträgliche Gesellschaft sich gefesselt sieht und die Frau, in der er – anders als Goethe – die einzig mögliche  Erfüllung seines Lebens erkannt zu haben glaubt, an einen anderen gefesselt.
Nein, auch der ungeheure Druck, der von dem „Werde, der du bist“ ausgeht: die Sorge, das, was man an Einzigartigem in sich fühlt, nie wirklich ausbilden zu können.

In diesem Gedicht klagt er: „warum schläft denn / Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?“

Das „göttlich Recht“ der Selbstverwirklichung mahnt er in einem anderen Gedicht an und hofft, dass statt ewiger Unruhe im Totenreich es ihm doch zuteil werde:

Doch ist mir einst das Heilige, das am
Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt !
Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
Mich nicht hinab geleitet; Einmal
Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.

Im vorliegenden Gedicht erhofft er sich das Ende der Ruhelosigkeit schon im Alter:
„Friedlich und heiter ist dann das Alter.“

Im Leben erreichte ihn die geistige Umnachtung mit 37 Jahren im Tübinger Turm.

Die Sprachformen „nimmt mich“ und „töriger Bitte“ erinnern uns daran, dass unsere Hochsprache nicht immer so genormt war, wie wir seit dem 20. Jahrhundert gewohnt sind, sie uns zu denken.

August 2020
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