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Park Monceau

Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.
Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist.
Hier darf ich links gehn. Unter grünen Bäumen
sagt keine Tafel, was verboten ist.

Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen.
Ein Vogel zupft an einem hellen Blatt.
Ein kleiner Junge gräbt sich in der Nasen
und freut sich, wenn er was gefunden hat.

Es prüfen vier Amerikanerinnen,
ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn.
Paris von außen und Paris von innen:
sie sehen nichts und müssen alles sehn.

Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.
Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.
Ich sitze still und lasse mich bescheinen
und ruh von meinem Vaterlande aus.

Kurt Tucholsky

Tucholsky war 1924 erst kurz in Paris, als er das Gedicht schrieb und unter dem Pseudonym Theobald Tiger veröffentlichte. Frankreich war damals nicht so von Krisen geschüttelt wie Deutschland 1923, als Stresemann und Ebert ihr Meisterstück in Krisenbewältigung leisteten. (Den Test, ob sie Hitlers Machtübernahme hätten verhindern können, hat die Geschichte nicht gemacht.)

Mehr zum Gedicht von Joachim Sartorius und in ZEIT 12/2016 Reisen, S.47 von Iris Radisch

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