Viele Drachen stehen in dem Winde,
Tanzend in der weiten Lüfte Reich.
Kinder stehn im Feld in dünnen Kleidern,
Sommersprossig und mit Stirnen bleich.

In dem Meer der goldnen Stoppeln segeln
Kleine Schiffe, weiß und leicht erbaut;
Und in Träumen seiner leichten Weite
Sinkt der Himmel wolkenüberblaut.

Weit gerückt in unbewegter Ruhe
Steht der Wald wie eine rote Stadt.
Und des Herbstes goldne Flaggen hängen
Von den höchsten Türmen schwer und matt.

Georg Heym
Wegen der Jahreszeit und weil die Rilkegedichte ja doch jeder kennt, ziehe ich dies Heym-Gedicht vor, bevor ich zu den fremdsprachigen komme. Natürlich prunkt es mit Farben und erinnert mich wie andere farbbetonte Herbstgedichte daran, dass ein Klassenkamerad in einem Aufsatz über den Herbst diesen „des Winters Hofnarren“ nannte, was ich mir immer mit dem farbigen Narrenkostüm erklärte.
Es ist auch viel Leichtigkeit im Gedicht. Doch das „mit Stirnen bleich“ bringt schon früh die Mattigkeit mit sich, mit der die letzte Zeile schließt. Ich assoziiere damit das Traklsche „dünn und zag“ aus „In den Nachmittag geflüstert“, ein Gedicht, das ja auch „Farben träumt“ und gleichzeitig auf Sterben hindeutet.
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