Im hohen Blau

die weißen Bäusche und ein Flugzeug

segeln.

Das Entengeschwader

streift vorbei.

Die Himmelsluke verhängt

der grauen Wolke

Segeltuch.

Libelle

über den welligen Spiegel saust,

in dem das Ufer zittert.

Ein weißes Fleckchen

fern leuchtet

Malchens Turm.

Freien Willens wohl bald

kehrt der innere Es

wieder zurück in den See.

Man könnte damit beginnen, das Gedicht zeitlich einzuordnen. Ganz der Formensprache des 19. Jahrhundert verhaftet, führt es aber ein Segelflugzeug ein. Damit ist das 20. Jahrhundert gesichert.

Die Bilder, Wolken am blauen Himmel, die Sonne von Wolken verdeckt, das Ufer im See sich spiegelnd, bleiben ganz im Naturbereich. Nur das Flugzeug ist menschengemacht, Kultur.

Der Blick wendet sich vom Himmel zu Wasser und Erde, wobei die Erde zunächst nur als Spiegelbild im Wasser erscheint. Ganz gegenständlich kann man das lyrische Ich als Schwimmer sehen, der vom Rückenschwimmen zum Brustschwimmen (der Blick bleibt immer über der Wasseroberfläche) wechselt.

Die letzte Strophe führt mit dem Es die Freudsche Dreiheit von Es, Über-Ich und Ich ein. Das Über-Ich als der Himmel, der durch die Sonne als Luke auf Ich und Es herabsieht. Das Ich bleibt über der Wasseroberfläche, während der Körper in der Welt des Unbewussten schwimmt.

Wem vor der Primitivität der allegorischen Deutung schaudert, der mag freilich beim Artikel der innere Es auf der innere S und von dort auf den inneren Schweinehund kommen, den Münchhausen – diesmal nicht der von Bürger, sondern Marco von zu zähmen empfiehlt.  So wie der Fuchs im 21. Kapitel vom kleinen Prinz gezähmt werden will.

Ganz ironisch wird es, wenn ausgerechnet diesem personifizierten Es (den Trieben) ein freier Wille unterstellt wird, den die Hirnforschung dem menschlichen Ich schon längst abspricht.

Auch wenn wir so für die Datierung des Gedichtes das Jahr 2002 als terminus post quem gewinnen, wer mit den Bildern etwas anfangen kann, denkt sich die Schussverse besser wieder weg.

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